Eigene Erfahrungen/Meinung zur Haltung/Anschaffung/Pflege

Anschaffung / Voraussetzung


Viele Papageien stehen unter Artenschutz. Vor der Anschaffung sollte man sich über die Bedingungen zur Haltung genau informieren. Oft treten bei einem gut gemeinten Kauf tierschutzrechtliche Probleme mit den zuständigen Behörden auf, bei denen nicht selten das betroffene Tier beschlagnahmt werden kann. Auskunft kann hier die zuständige Behörde geben.
Als Mieter einer Wohnung sollte man tolerante Nachbarn haben, da Kakadus und Nymphensittiche mitunter sehr laut schreien können. Bist Du lärmempfindlich? Vielleicht solltest Du dir dann doch lieber ein anderes Haustier zulegen.
Kakadus werden sehr alt: Wer kümmert sich um deinen Vogel, wenn er dich überlebt???
Aber auch wenn man in Urlaub fährt, braucht man eine zuverlässige Person, die die Betreuung der Lieben übernimmt.
Zur Anschaffung eines Kakadus kann ich nur jedem raten, das Tier bei einem eingetragenen/kompetenten Züchter zu erwerben, der einem auch nach dem Kauf für Nachfragen und bei Problemen zur Seite steht.

Käfig oder Voliere

Mal abgesehen von den Vorgaben im Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien kann ich hierzu nur sagen, je größer der Käfig, desto besser. 

Die vielfach angebotenen Rundkäfige sind aus tierschutzrechtlicher Sicht nicht zu empfehlen, da die Tiere eine Rückzugsmöglichkeit brauchen, die in einem runden Käfig nicht gegeben ist.
Auch sollten die Käfigstangen/-gitter nicht goldfarbig sein, da diese das Licht reflektieren, was Vögel als unangenehm empfinden.
Der Käfig selbst sollte zu mindestens einer Seite geschützt stehen, damit der Vogel eine Rückzugsmöglichkeit hat. Ein Standort direkt am Fenster ist nicht empfehlenswert. Zum einen fehlt hier die geschützte Ecke/Rückzugsmöglichkeit und zum anderen kann eine direkte Sonneneinstrahlung im Sommer zu warm werden.
Ideal ist ein heller Platz, ohne Durchzug, bei dem der Vogel am Familienleben teilhaben kann. Ein Durchgangszimmer und Zugluft sind ebenfalls zu vermeiden. Die Küche ist kein geeigneter Raum. In der Küche gibt es zu viele Gefahrenquellen wie den Herd und Teflondämpfe (beim Kochen) können für Vögel tödlich sein.


Besser als ein Käfig ist natürlich eine Voliere, in der man einige Kakaduarten aus meiner Erfahrung problemlos mit einigen anderen Arten, wie zum Beispiel dem Nymphensittich oder dem Wellensittich halten kann. Viele Zoos und Tierparks halten ihre Kakadus ebenfalls in Gemeinschaftsvolieren mit anderen Arten. Wichtig ist, dass alle Tiere genügend Platz haben, um sich gegenseitig ausweichen zu können. Ich selbst halte meine Rosakakadus mit Nymphensittichen ganzjährig in einer Aussenvoliere von ca. 15 m2 + Schutzraum. Bislang hat es noch keinerlei Probleme, Verletzungen oder Auseinandersetzungen gegeben. Im Gegenteil, alle Bewohner schreiten sogar erfolgreich zur Brut.


Zur Zimmerhaltung sollte generell gesagt werden, dass Kakadus unheimlich viel Staub produzieren, was bei Allergikern schnell zu Problemen führen kann. Des Weiteren haben die Tiere ein sehr ausgeprägtes Nagebedürfnis; wer seine Wohnungseinrichtung liebt, sollte noch mal über die Anschaffung eines Kakadus nachdenken. Ich habe meine Tiere Anfangs auch in einem Vogelzimmer gehalten, bin dann aber sehr schnell zur Volierenhaltung im Garten übergegangen, da der Dreck und die Zerstörungswut der Lieben doch enorm war. Lediglich meine beiden Gelbwangen und die Amazonen übernachten im Haus, befinden sich aber Tagsüber ebenfalls in einer Aussenvoliere von ca. 6m2.


 Sowohl der Käfig, als auch die Voliere sollte mit Naturastsitzstangen in unterschiedlichen Dicken bestückt sein, damit der Vogel dort seine Krallen auf natürlichem Wege kürzen kann. Des Weiteren werden durch unterschiedliche Formen und Oberflächen der Stangen Gleichgewichtssinn und Muskulatur der Vögel gestärkt. Die im Handel oft angebotenen Einheitsstangen eigenen sich nur bedingt, wenn genügend andere Sitzgelegenheiten vorhanden sind. Ungeeignet sind mit „Schleifpapier“ umwickelte Stangen. Es kommt nicht selten vor, dass durch die dauernde Reizung der Haut Wundflächen entstehen, die nur schwer abheilen. Kletterseile sind dagegen sehr zu empfehlen, auch sie stärken den Gleichgewichtssinn der Vögel. 


Als Einstreu kann ich Sand oder Holzspäne empfehlen. Man kann sich aber auch mit Papier oder Pappe behelfen, welche regelmäßig gewechselt werden muss.

Einzelvogel oder Schwarm

Generell bin ich der Meinung, dass es Tierquälerei ist, wenn man die Tiere, welche Schwarmtiere sind, einzeln hält. Hier kann es sehr schnell zu Verhaltensauffälligkeiten kommen und die Tiere werden nicht selten zu so genannten „Rupfern“ oder gar „Wandervögeln“. Mindestens ein Partner sollte doch vorhanden sein, der die oft langen Stunden der Einsamkeit teilt und die gleiche „Sprache“ spricht.

Auch wenn der Mensch 24 Stunden am Tag mit seinem Vogel zusammen ist, kann er ihm einen Artgenossen niemals ersetzen!!!

Es ist ein Irrglaube, dass nur einzeln gehaltene Vögel zahm werden. Auch in meinem kleinen Schwarm kann ich die großen Kakadus alle anfassen und auf die Hand nehmen. Bei meinen Nymphensittichen lege ich hierauf nur bedingt Wert, trotzdem kommen alle Tiere bis auf wenige cm an mich ran und nutzen mich als Kletterbaum. Anfassen kann ich allerdings nur einen Nymph (Krümel).

Ich habe beobachtet, dass die scheuen Tiere von den anderen lernen und durch ihre Neugier dem Menschen näher kommen.

Handaufzucht / Naturbrut

Ich persönlich würde jederzeit einen Vogel aus Naturbrut einer Handaufzucht bevorzugen. Es gibt meiner Meinung nach keinen vernünftigen Grund, ein Jungtier ohne Notwendigkeit seinen Eltern wegzunehmen, um es per Hand aufzuziehen. Ein Jungvogel, welcher bei seinen Eltern aufwächst, erlernt von ihnen alles notwendige für ein erfolgreiches Papageienleben. Er ist in der Regel sozial geprägt und sollte keine Ernährungsdefizite aufweisen.
Bei Handaufzuchten gehen die Meinungen weit auseinander. Einige Leute sind der Meinung, dass Handaufzuchten meist fehlgeprägt sind und es zu vermehrten psychischen Problemen kommen kann. Insbesondere Rupfen und Probleme mit Artgenossen werden hier sehr kontrovers diskutiert, aber auch ein schwach entwickeltes Immunsystem oder Defizite in der Allgemeinentwicklung sollen bei diesen Tieren keine Seltenheit sein. Ob es hierzu fundierte Studien gibt, weiß ich nicht.
Ich selber lasse meine Tiere unter möglichst natürlichen Bedingungen brüten. Dies bedeutet ab und an auch mal den Verlust eines Kükens (besonders bei unerfahrenen Eltern), garantiert mir aber, dass die Küken sozial aufwachsen, Artgenossen kennen und keine Verhaltensstörungen aufweisen.
Eine Handaufzucht werde ich persönlich nur im Notfall, wie bei unserem Grisu, durchführen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, niemals aus Kommerz oder um die Tiere später als besonders zahme Handaufzuchten vermarkten zu können.
Ich bin der Meinung, ein Mensch kann den Tieren keinen Artgenossen ersetzen und man sollte nur im Notfall in die natürliche Entwicklung eingreifen.

Ernährung

Kakadus ernähren sich hauptsächlich von Früchten und Samen. Ich füttere meine Tiere mit einer Mischung aus Großsittichfutter und Papageienfutter, wobei ich darauf achte, dass der Anteil an fetthaltigen Körnern (z.B. Sonnenblumen) eher gering ist, da manche Tiere schon mal zu Fettleibigkeit neigen.

Als wichtiges Ergänzungsfutter gebe ich je nach Jahreszeit viel Obst und Gemüse. Sehr gerne genommen wird Möhre, Paprika, Apfel und Mais.

Zum Zeitvertreib reiche ich viele Äste von Obstbäumen, Weide oder Haselnuss, die die Tiere nach Belieben zerlegen können, aber auch ein bunter Strauß reifer Gräser mit Samen wird gerne genommen.

Während der Brut zur Kükenaufzucht reiche ist viel Eifutter und Quellfutter. Ich kann immer wieder beobachten, dass sich meine Lieben regelrecht darauf stürzen.

Frisches Wasser und eine Badeschale sollten natürlich nicht fehlen.

Bei meinen Tieren konnte ich beobachten, dass die Kakadus den natürlichen Regen bevorzugen und die Badeschalen eher meiden.

Die Nymphensittiche genießen sogar in der kalten Jahreszeit ihr Bad in einer Badeschale welches gerne gemeinschaftlich genommen wird, aber auch der Regen wird immer gerne zur Gefiederpflege genommen.

Eigene nicht immer schöne Erfahrungen

Ich muss zugeben, dass ich Anfangs einige Probleme in der Kakaduhaltung doch arg unterschätzt habe. So zeigte sich bei meiner Orangehauben-Rosakakadudame sehr schnell, dass sie ein Problem mit Frauen und mir ganz speziell hatte. Es kam nicht selten vor, dass sie mich beim Betreten der Voliere attackiert hat und dabei immer wieder versucht hat, mir im Nacken zu landen, um mich zu beißen.

Anfangs habe ich noch über eine Bekannte gelacht, die mir erzählte, dass sie vor ihrem Weißhaubenkakaduhahn auch schon mal unter Tisch und Stuhl in Deckung geht, wenn er allzu aggressiv wird.

Mittlerweile lache ich nicht mehr über sie und obwohl meine Tiere deutlich kleiner sind als eine Weißhaube, sind die Bisse doch extrem schmerzhaft und können auch gefährlich werden, wenn sie im Gesicht (z.B. Augen) vorkommen.

Des weiten sind die Lieben doch sehr zeitaufwendig und wollen natürlich am liebsten überall dabei sein und im Mittelpunkt stehen. Meine Gelbwangen fangen dann auch sehr laut an zu schreien, wenn sie meinen, nicht genug Aufmerksamkeit bekommen. Zum Glück wohnen wir in einem freistehenden Haus mit sehr kakadubegeisterten Nachbarn in den umliegenden Häusern, die ihre Schlafzimmer nicht in Richtung meiner Voliere haben.

Insbesondere früh morgens, wenn die Sonne aufgeht, sind meine Lieben nicht zu überhören und ab und an stehe ich senkrecht im Bett, wenn die Sonne durch die Bewohner meiner Außenvoliere laut kreischend begrüßt wird. Zum Abend hin gibt es dann noch einmal eine laute Phase, aber tagsüber kann ich mich dann von dem morgendlichen Krach erholen und kontrolliere manchmal, ob noch alle da sind, so ruhig ist es dann oft.

Aber auch wenn die Haltung von Krummschnäbeln viele Nachteile mit sich bringt, möchte ich meine Tiere auf gar keinen Fall mehr missen, denn sie gehören doch zur Familie, JEDER EINZELNE!!!