Tagebuch einer Rosakakaduaufzucht:

2014 geschah das kleine Wunder, unser Grisu erblicke das Licht der Welt.

Grisu stammt aus Luna und Bennys zweitem Gelege. Luna und Benny haben 2013 zum ersten Mal Eier gelegt. Leider haben die Beiden die Eier, wahrscheinlich aus Unerfahrenheit, zerstört, bzw. vom Ast aus direkt auf den Boden fallen lassen.

2014 haben Luna und Benny insgesamt vier Eier gelegt. Die ersten beiden Eier wurden von ihnen wieder zerstört, das dritte Ei war befruchtet, leider ist das Küken noch im Ei verstorben.

Aus dem vierten Ei ist am 30.05.2014 Grisu geschlüpft. Bereits am 28.05. hat Grisu angefangen, das Ei anzupicken. Am darauffolgenden Tag hatte das Ei bereits ein erbsengroßes Loch und man konnte von dem Kleinen deutliche Fieplaute vernehmen. Am 30.05. geschah dann das kleine Wunder und Grisu lag bei seinen Eltern im Nest.

Leider hielt das Glück nicht lange an und nachdem wir in der Nacht von einem Angreifer an der Voliere heimgesucht wurden, haben die Alttiere nur drei Tage später das Nest verlassen und den ganzen Tag nicht wieder aufgesucht.

Als wir bereits dachten, der Kleine wäre tot, hat er noch mal alle Kraft zusammen genommen und ein schwaches Lebenszeichen von sich gegeben. Das war der Start einer sehr aufregenden Handaufzucht, an deren Ende ein stolzer Kakaduhahn hervorgekommen ist und seine Besitzer körperlich völlig am Ende waren.

Am ersten Tag der Handaufzucht hat Grisu nur ganze 14 Gramm gewogen. Wir haben ihn sofort in einer Aufzuchtbox (Brinsea Aufzuchtbox TLC 50 Advance) untergebracht. Als Unterbringung haben wir eine Plastikschüssel gewählt, welche wir mit Küchenpapier ausgelegt haben, welches wir nach jeder Fütterung gewechselt haben. Unser Verbrauch an Küchenrollen war in dieser Zeit extrem hoch. Die Temperatur haben wir zu Beginn bei 36 Grad mit einer Luftfeuchte zwischen 45-55% eingestellt.

Die ersten 8 Tage haben wir Grisu Tag und Nacht im zwei Stunden Rhythmus mit Aufzuchtbrei Nutri Bird E19 gefüttert Unter den Brei haben wir immer eine Messerspitze Fencheltee für Babies gemischt, um Verdauungsproblemen vorzubeugen. Zwischen 00:00 h und 06:00 haben wir allerdings nur einmal um 03:00 h gefüttert.

Am 7. Tag haben wir den Abstand zwischen den Fütterungen auf drei Stunden erhöht und nach 12 Tagen haben wir Nachts um 22:00 h, 02:00 h und ab 06:00 h wieder im drei Stunden Rhythmus gefüttert.

Ab dem 14. Tag haben wir um jeweils 02:00, 06:00, 09:30, 13:30,17:30  und 21:30 h gefüttert. Nach jeder weiteren Woche, in der Grisu sich weiter prächtig entwickelt hat, haben wir die Anzahl der Fütterungen langsam gesenkt, immer jedoch mit Blick auf die Verdauung und dem Zustand des Kropfes. Der Kropf war für uns das wichtigste Indiz, ob wir die nächste Fütterung im Zeitplan durchführen, oder aber wie viel wir gefüttert haben. Wenn der Kropf sich nur zögerlich entleert hat, haben wir den Brei ein wenig dünner angerührt und auch weniger gegeben, bis der Kropf sich wieder normal entleert hat. Ich habe festgestellt, dass die Verdauung gegen Abend immer ein wenig schleppender vonstatten ging, als am Tage.

Ab dem 21. Tag haben wir das Futter auf Nutri Bird E 21 umgestellt und ab dem 30. Tag haben wir immer Öfters zunächst klein geriebene Sonnenblumenkerne, Pellets, und auch mal Obst (Banane, Apfel, Mohrrüben) unter das Futter gemischt.

An seinem 8. Lebenstag wog der Zwerg so bereits 25 Gramm und hatte sein Startgewicht in der Handaufzucht verdoppelt, am neunten Tag begannen, seine Augen, sich langsam zu öffnen. Bereits am 12. Tag konnte man die ersten Federkiele unter Grisus Haut erahnen und am 19. Tag haben wir Grisu mit einem geschlossenen Ring bering, den wir zunächst noch mit ein wenig Watte unterfüttern mussten, damit er nicht abfällt.

So ca. ab dem 19 Tag, als Grisus Körper weitgehend mit Federn bedeckt war, haben wir die Temperatur in seinem Aufzuchtkasten zunächst alle 3 Tag um einen halben Grad gesenkt, später wurden die Abstände verkürzt, bis er an seinem 42 Tag voll befiedert bei normaler Raumtemperatur gehalten werden konnte.

Mit 53 Tagen hat Grisu dann seinen noch sehr holprigen Jungfernflug durch unser Wohnzimmer heile überstanden und von da an haben wir ihn zunächst in einem handelsüblichen Papageienkäfig untergebracht, bei dem wir die Sitzstangen in Bodennähe angebracht haben. Den Käfig haben wir neben den Volieren für unsere Gelbwangenkakadus und Blaustirnamazonen untergebracht, damit Grisu sich nicht alleine fühlt und sich von den Altvögeln deren Verhaltensweisen und Fressgewohnheiten abschauen kann. Mehrstündiger, täglicher Freiflug war für uns alle selbstverständlich und Grisu hatte so von Anfang an Kontakt zu anderen Papageien, mit denen er sich auch auseinander setzen musste, wenn er an ihr Futter oder Spielzeug wollte. Nach kurzer Zeit konnte er tagsüber mit den Gelbwangenkakadus die Aussenvoliere aufsuchen. Seine eigene Mutter hat ihn leider nicht in ihrer Nähe geduldet und ist immer wieder penetrant hinter ihm her und hat ihn verjagt und dabei auch mal gezwickt. Man konnte deutlich merken, dass er sich in der Gemeinschaftsvoliere der Rosas und der Nymphen nicht wohl gefühlt hat. Da er zu unserer Jenny ein positives Verhältnis hat, haben wir uns entschieden, ihn bei ihr und Fatzke unter zubringen.

Leider haben wir in den ersten Lebenstagen bemerkt, dass Grisu einen Unterbiss entwickelt hat, den er am Anfang definitiv nicht hatte. Ob wir ihn irgendwann mit der Futterspritze einmal zu feste gestupst haben, wissen wir bis heute nicht.

Wir haben dann direkt mit Dr. Zinke, einem erfahrenen Vogelspezialist aus Lotte bei Osnabrück, Kontakt aufgenommen und als Grisu gerade einmal 18 Tage alt war, haben wir ihn warm eingepackt und die Praxis von Dr. Zinke aufgesucht. Auf diesen Besuch folgten noch fünf weitere Besuche in den nächsten vier Wochen. Der Doc hat mit sehr viel Einfühlungsvermögen immer wieder den Schnabel Stück für Stück korrigiert und leicht gekürzt. Zu Anfang mussten wir dem Zwerg den Schnabel zwischen den Fütterungen mit ein wenig Pflaster in der richtigen Position fixieren, was für Tier und Besitzer sehr qualvoll war.

Nach dem ersten Besuch beim Tierarzt war der Unterschied vor und nach der Behandlung enorm, aber nach dem 2-4 Besuch habe ich die Hoffnung auf vollständige Heilung kurzfristig aufgegeben und mich schon damit abgefunden, dass Grisu wahrscheinlich mit einem Unterbiss wird leben müssen. Den Schnabel zwischen den Mahlzeiten zu fixieren haben wir aufgegeben, da Grisu es immer wieder geschafft hat, das Pflaster so weit zu dehnen, dass der Nutzen nicht mehr gegeben war.  Nach dem 5. Besuch beim Doc kam dann der überraschende Durchbruch und Grisu begann von alleine immer öfter, seinen Schnabel in der richtigen Position zu halten und auch zu "knirschen". Der sechste Besuch war dann noch Formsache und heute hat Grisu keinerlei Probleme mehr und man kann nicht mehr erkennen, welch unglückliche Krankengeschichte er hinter sich hat.

Während der ganzen Zeit der Handaufzucht war mein Handy mein ständiger Begleiter und ich bin sehr dankbar, dass mir meine Freundin Monika Jöbstl aus Österreich zu jeder Tag und Nachtzeit mit sehr viel Geduld und Rat zur Seite gestanden hat. Ohne ihre Hilfe wäre ich bereits am ersten Tag verzweifelt, denn die meisten Fragen konnte mir meine Lektüre über Vogelaufzucht und das Internet nicht beantworten. Immer wenn ich unsicher war, hat mir Monika mit ihrem enormen Wissen weiter geholfen, dass sie sich durch diverse Handaufzuchten selber angeeignet hat.

An dieser Stelle möchte ich mich nocheinmal ausdrücklich bei Dr. Zinke und seinem Team, sowie Monika Jöbstl bedanken. Nur durch Ihre Hilfe konnte aus Grisu so ein toller Prachtkerl werden, wie er heute ist.

Grisu lebt seit September bei einer sehr netten Familie in einer Aussenvoliere mit der etwa gleichaltrigen Rosalie und einer bunten Truppe sehr hübscher Wellensittiche und Bourkesittiche in seiner Nachbarschaft. Mit seinen neuen Besitzern hat Grisu einen wahren sechser im Lotto erhalten und wir sind sehr froh, ein sehr nettes Verhältnis zu Grisus neuem Scharm zu haben, auch wenn er 150 km weit von uns entfernt lebt.